Jaguar-Safari im Pantanal
- armin schädeli

- vor 5 Stunden
- 8 Min. Lesezeit
Weniger bekannt als die Serengeti oder das Okavango-Delta – und doch genauso beeindruckend: das Pantanal. Das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde erstreckt sich über den Südwesten Brasiliens sowie über Teile Paraguays und Boliviens. Als UNESCO-Weltnaturerbe zählt das Pantanal zu den artenreichsten Regionen unseres Planeten. Vor allem aber gilt es als der beste Ort in Südamerika, um Jaguare in freier Wildbahn zu sehen.

Hier streifen Jaguare durch Uferwälder, während sich Kaimane an sandigen Flussufern sonnen. Über den Feuchtwiesen zieht der imposante Tuiuiú-Storch seine Kreise, das Wahrzeichen des Pantanals. Das Pantanal ist ein riesiges saisonales Überschwemmungsgebiet. In der Regenzeit verwandelt sich die Landschaft in ein weit verzweigtes Wasserlabyrinth aus Flüssen, Lagunen und Sümpfen. Genau diese Vielseitigkeit macht das Pantanal zu einem der wildreichsten Orte der Erde mit einer sehr hohen Tierdichte pro Quadratkilometer - vor allem in der Trockenzeit.
Die Nummer 1 für Jaguar-Sichtungen in Mittel- und Südamerika
Das nördliche Pantanal gilt als das beste Gebiet weltweit, um Jaguare in

freier Wildbahn zu beobachten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Da ist zum einen eine grosse, gesunde Jaguar-Population, die auf eine grosse Zahl von Beutetieren zurückgreifen kann. Die Vegetation ist weniger dicht als im Regenwald, offene Flächen wechseln sich mit hohem Gras und Bäumen ab, ideal für einen Anschleichjäger wie den Jaguar. Beste Reisezeit ist die Trockenzeit, zu diesem Zeitpunkt kommen alle Tiere an den Flüssen zusammen, während andere Gebiete ausgetrocknet sind. Obwohl Jaguare territorial sind, akzeptieren sie in der Trockenzeit andere Artgenossen in ihrem Gebiet. Entsprechend steigen die Tierdichte und damit die Beobachtungsmöglichkeiten. Zudem wird in dieser Gegend seit mehr als 50 Jahren Jaguar-Safaris statt, die Tiere haben sich an die Boote gewöhnt und fürchten diese nicht, da die Jagd verboten ist. Zudem scheint sich die Wilderei in Grenzen zu halten.
Der Jaguar - kleines Poträt eines grossen Jägers Die Jaguare des Pantanals sind auffallend gross und kräftig gebaut. Wissenschaftler führen das auf das reichhaltige Nahrungsangebot und die stabilen Lebensbedingungen in diesem riesigen Feuchtgebiet zurück. Im Vergleich zu Populationen aus dem Amazonas oder Mittelamerika sind die Tiere hier massiger und breiter. Besonders interessant ist ihre Vorliebe für ungewöhnliche Beute. ![]() Während Jaguare andernorts vor allem Säugetiere jagen, gehören im Pantanal auch Kaimane zum Speiseplan. Mit ihrer enormen Beisskraft können sie die Schädel der gepanzerten Reptilien durchdringen. Das ist ein Jagdverhalten, das man fast nur in dieser Region beobachten kann. Hinzu kommt, dass Jaguare im Pantanal deutlich häufiger am helllichten Tag aktiv sind als in vielen anderen Regionen. Die offenen Uferzonen der Flüsse bieten ideale Bedingungen, um Beute zu entdecken und sich lautlos anzuschleichen. ![]()
Jaguare können mit ihrer enormen Beisskraft selbst Schildkrötenpanzer und Schädel durchdringen können. Das ist ein entscheidender Vorteil in wasserreichen Lebensräumen.
Jaguare gehören zu den wenigen Großkatzen, die sich im Wasser besonders wohlfühlen. Sie jagen regelmäßig im und am Wasser, das Pantanal bietet ein ideales Jagdgebiet.
Die NGO Panthera hat dokumentiert, dass Jaguare heute nur noch etwa 50 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebiets bewohnen. Die grösste Bedrohung ist der Lebensraumverlust.
Schützt man Jaguare, schützt man automatisch Lebensräume und viele andere Arten. 5. Panthera arbeitet an der „Jaguar Corridor Initiative“ Ein zentrales Panthera-Projekt verbindet Jaguar-Populationen von Mexiko bis Argentinien, um genetischen Austausch zu sichern und Konflikte mit Menschen zu reduzieren. 6. Jaguare sind überraschend anpassungsfähig Jaguare können in Regenwäldern, Savannen, Trockenwäldern und Feuchtgebieten überleben, solange genügend Beute und Rückzugsräume vorhanden sind.kl |
Sieht man auf Safari viele Jaguare?
Die Kernzone des Encuentro das Aguas State Parks ist nicht riesig und die Bootsführer informieren sich gegenseitig über aktuelle Sichtungen. Dadurch kann es passieren, dass sich bei einer Jaguar-Sichtung plötzlich mehrere Boote an derselben Stelle versammeln. Unser Guide zog in solchen Momenten

allerdings meist schnell weiter. Er hatte den Ehrgeiz, die Tiere selbst aufzuspüren, statt einfach der nächsten Funkmeldung zu folgen. Deshalb lohnt es sich, bei der Wahl des Anbieters darauf zu achten, dass die Guides wirklich motiviert sind, nach Tieren zu suchen. Da wir auf unserer Tour allein unterwegs waren und unsere Familie eine gewisse Schwäche für Großkatzen hat, konnten wir unsere Prioritäten klar setzen. Weil wir nur wenige Tage im Herzland der Jaguar-Beobachtung waren, lag unser Fokus ganz auf diesen faszinierenden Raubtieren.
Am Ende hätte ich allerdings gerne noch ein paar Tage angehängt, um Riesenottern, Kaimanen, Capybaras und der beeindruckenden Vogelwelt mehr Zeit zu widmen.

Wird der Tourismus im Pantanal zum Problem?
Wo es so gute Beobachtungsmöglichkeiten gibt, sind die Touristen nicht weit. Das muss aber nicht per se schlecht sein. Im Pantanal spielt der Tourismus eine wichtige Rolle für den Artenschutz. In der Nähe von Porto Jofré betreibt die Naturschutzorganisation Panthera eine Forschungsstation, von der aus Jaguare untersucht und geschützt werden. Panthera befürwortet nachhaltigen Jaguar-Tourismus. Die Idee dahinter: Wenn Besucher aus aller Welt anreisen, um die scheuen Raubkatzen zu beobachten, steigt ihr wirtschaftlicher Wert für die Region. Für viele lokale Gemeinden lohnt es sich dann eher, Jaguare zu schützen, statt sie als vermeintliche Viehdiebe zu ![]() verfolgen. Doch dieses Gleichgewicht ist empfindlich. Funktionieren kann das Modell nur, solange der Tourismus überschaubar bleibt und die Lodges und Touranabieter die Regeln befolgen. Der State Park darf beispielssweise nur mit Booten befahren werden, das Betreten des Landes ist nicht erlaubt. Das Pantanal liegt abgelegen, und Jaguar-Safaris gehören zu den teuersten Tierbeobachtungen Südamerikas. Beides wirkt bislang wie eine natürliche Bremse für den Besucherstrom. Die Lodges verteilen sich gut, als Besucher hat man nicht den Eindruck, dass es Übertourismus gibt. Zudem fehlen im Gegensatz zu viele afrikanischen Tourismusdestinationen Luxus-Lodges, Luxus-Tourismus sucht man zurzeit vergebens. Grundsätzlich verteilen sich die Boote im Gebiet gut. Es gab bei uns aber auch eine Situation, in der sich bis zu 20 Boote bei einem Jaguar eingefunden haben. Mein subjektiver Eindruck war: Eine weitere Zunahme der Touristen dürfte vor allem im Herzgebiet des State Park Encuentro das Aguas spürbar sein, allenfalls wäre für Zukunft eine Kontingentierung sinnvoll. |
Praktische Reisetipps
Beste Reisezeit: Die beste Reisezeit ist während der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober, während dieser Zeit trocknen grosse Regionen des Pantanal langsam aus und die Tiere suchen diese verbleibenden Wasserquellen auf. September und Oktober gelten als ideal, wobei die Regenzeit natürlich auch mal früher einsetzen kann als Ende Oktober. Anreise: Die meisten Reisenden, die den Norden des Pantanal besuchen, reisen über Cuiaba an, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Mato ![]() Grosso. Wer in der Nähe des Flughafens übernachten möchte, kann das beispielsweise im Amazon Aeropuerto Hotel tun. Die Fahrt von Cuiaba nach Porto Jofre, ins Herzland der Jaguarbeobachtung, dauert rund fünf Stunden, in den Touren ist der Transfer inbegriffen. Der erste Teil der Strecke führt über eine geteerte Strasse, danach geht es weiter über die Transplanteria, einer ungeteerten Strasse, die über 100 Brücken führt. Hier sind bereits die ersten Tiere zu sehen. Entlang der Transplanteria gibt es viele Haziendas, der Fokus der Tierbeobachtungen liegt hier aber eher auf Tapiren, Armadillos und anderen Pantanalbewohnern. Man kann auch hier Jaguaren begegnen, aber der Hotspot für Beobachtungen liegt weiter südlich.
Touranbieter: Es gibt viele Tourenanbieter. Allerdings kann ich die Anbieter nicht miteinander vergleichen, da wir nur mit einem Verantalter unterwegs waren. Wir haben uns für Pantanal Safaris entscheiden, einen lokalen Anbieter, der vom National Geographic-Fotografen Steve Winter empfohlen wird. Wir hatten das Boot trotz Hauptsaison für uns allein und sowohl der Gudie als auch der Kapitän waren vom ersten bis zum letzten Tag voll motiviert, Tiere zu finden. Wir konnten sogar wählen, wo wir unseren Beobachtungsschwerpunkt setzen wollen. ![]() Unterkunft: In Portro Jofre gibt es eine Reihe von Lodges, Santa Rosa Lodge ist die älteste, Pantanal Norte die Grösste. Die Santa Rosa Lodge ist komfortabel, Luxus sollte man hier aber keinen erwarten. Es gibt hier keine Luxuslodges wie im südlichen und östlichen Afrika. Das Essen ist in Ordnung, aber eher einfach. Von Porto Jofre ist man mit dem Boot etwa 25 Minuten unterwegs bis zum State Park "Encontro das Aguas", dem Herzstück der Jaguar-Beobachtungen. Es gibt auch die Möglichkeit, in Hotelbooten zu übernachten, um noch etwas näher am Kerngebiet untergebracht zu sein. Bei uns war die Jaguar-Suche entlang der Flüsse Tres Irmanos und Coixo Negro am ergiebigsten. ![]() Kosten: Jaguar-Safaris sind teuer. Günstiger kommt man weg, indem man direkt bei einem lokalen Anbieter reserviert, wir haben das so gemacht. Die Reiseanbieter in der Schweiz beauftragen ebenfalls lokale Anbieter. Allerdings fällt bei einer Buchung vor Ort die Schweizer Reisegarantie weg und wenn vor Ort etwas schief läuft wie bei unserem Rückflug, muss man sich selbst weiterhelfen. Der Pantanal ist gross und hat nebst Tierbeobachtungen auch sonst einiges zu bieten, zum Beispiel Aufenthalte auf einer Rinder-Ranch im Südpantanal. Wer auf Jaguar-Safari geht, sollte aber meiner Meinung nach möglichst viel Zeit im State Park Encontro das Aguas verbringen.
Impfungen: Wer keine unerwünschten Souvenirs nach Hause nehmen möchte, besucht vor der Reise den oder die Tropenmediziner*in des Vertrauens. Gelbfieberimfpung und Hepatitis A und B, guter Mückenschutz, gegen Chikungunya- und Zika-Virus gab es zum Zeitpunkt unserer Reise keine zugelassene Impfung. Deshalb ist der Mückenschutz sehr wichtig. Lektüre: Wer mehr über das Ökosystem und die Tierwelt des Pantnal ![]() erfahren möchte, dem sei der Field Guide von Riccardo Boschetti empfohlen, sehr invormativ und wunderschön illustriert. Sich einzulesen lohnt sich, denn das Pantanal hat viel mehr zu bieten als Jaguare. |
![]() Das Wild Moments Rating ⭐bis ⭐⭐⭐⭐⭐ Sterne
Wie wild war es? ⭐ ⭐⭐⭐ (⭐) Man bewegt sich in einem beeindruckenden Ökosystem und kommt den Tieren sehr nahe. Die Tiere lassen sich nicht stören, entsprechend sind authentische Beobachtungen möglich. Allerdings ist der Besuch nur geführt möglich. Da es sich um eine geführte Tour handelt gibt es einen halben Stern Abzug. Wie gross sind die Erfolgschancen? ⭐⭐⭐⭐⭐ In der Hauptsaison, der Trockenzeit, sind die Chancen sehr gut. Man müsste wirklich sehr viel Pech haben, um im State Park Encuentro das Aguas während mehreen Tagen keine Jaguare zu sehen. Die Boote informieren sich bei Sichtungen gegenseitig. Die Wahl eines Veranstalters mit guten Gudies erhöht die Chancen weiter. Wir hatte pro Tag im Schnitt acht Sichtungen (Reisezeit Ende September). Wie nachhaltig war es? ⭐⭐⭐⭐ Um die halbe Welt zu fliegen, um (praktisch) unberührte Natur zu erleben kann man aus einer Nachaltigkeits-Perspektive durchaus als fragwürdig bezeichnen. In einer perfekten Welt würden solche Gegenden um ihrer selbst willen geschützt. Der Tourismus ist für den Artenschutz aktuell aber klar ein Plus, vermutlich vergleichbar mit dem Puma-Tourismus in Chile. Siehe Kasten "Wird der Tourismus für das Pantanal zum Problem?". Wie familienfreundlich ist die Aktivität? ⭐⭐ Die Tage auf dem Boot sind lang und in der Trockenzeit kann es sehr heiss werden. Viele Anbieter, aber nicht alle, legen deshalb über Mittag eine kurze Pause ein in der gebuchten Lodge. Für kleine Kinder und ältere Zappelphilipps also eher nicht geeignet. Unsere Tochter war 13 und hatte nur an einem Tag aufgrund der Hitze ein wenig Probleme. Wie gut eignet sich die Aktivität für Wildlife-Fotografie? ⭐⭐⭐⭐⭐ So klischeehaft es auch klingen mag: Der Vorstellung eines Garten Eden kommt man wohl kaum näher als im Pantanal. Die Tiere sehen in den Booten keine Gefahr, deshalb ist ihre Fluchtdistanz extrem gering. Ob Vögel, Otter, Kaimane oder Jaguare, man kommt den Tieren erstaunlich nahe. Das ist für Fotografen eine fantastische Ausgangslage: Die oft langwierige Suche nach Tieren entfällt und wenn das Licht in einer Situation mal nicht passt kommt die nächste Möglichkeit schon bald. Zudem ist die Landschaft in der Trockenzeit entlang der Flüsse nach wie vor sehr grün, was schöne Hintergründe und die Möglichkeit, die Tiere in ihrem Umfeld zu zeigen, ermöglicht. |
























